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Deutschland hat noch viel NS-Raubkunst

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Die Kunstbestände der Bundesregierung enthalten vermutlich noch 2500 Werke, die die Nazis den meist jüdischen Besitzern entrissen hatten. Das berichtet die “Bild”-Zeitung und beruft sich auf das Finanzministerium.

Ein großer Teil dieser Kunst befinde sich in Museen, einiges aber auch in Bundesbehörden oder im Kunst-Depot in Berlin-Weißensee, schreibt die “Bild”-Zeitung und bezieht sich auf eine Auskunft des Finanzministeriums. 

1998 hatte sich der Bund mit der “Washingtoner Erklärung” verpflichtet, die Eigentümer der geraubten Kunst ausfindig zu machen und die Werke den Erben zurückzugeben. In 20 Jahren sei dies bei nur 54 Gemälden und Kunstgegenständen gelungen. Derzeit laufen laut “Bild”-Zeitung Verhandlungen über die Rückgabe von zwölf während des Zweiten Weltkriegs erbeuteter Kunstobjekte.

Insgesamt 48.000 Werke im Bundesbesitz

Die Kunstbestände der Regierung umfassen etwa 48.000 Werke: neben Gemälden und Skulpturen auch Instrumente, Möbel, Porzellan, antike Bücher, alte Münzen und Briefmarken. Mehr als 10.000 dieser Kunstgegenstände stammten aus der Zeit des Deutschen Reiches, knapp 6000 aus DDR-Besitz.

Über den größten Teil der Kunst verfügen laut “Bild” der Finanzminister und der Außenminister. Dem Bundeskanzleramt gehören demnach 588 Kunstwerke, darunter Gemälde von Max Liebermann, Marc Chagall, Emil Nolde und Pablo Picasso.

“Grundsätzlich ist NS-Raubkunst in jedem Fall zurückzugeben”, betonte das Kulturstaatsministerium. Dies gelte “insbesondere für die Einrichtungen des Bundes”, denn Ministerien hätten “eine bedeutende Vorbildfunktion”.

Ministerin Monika Grütters (r.) gibt am Dienstag ein NS-Raubkunst-Gemälde an die rechtmäßigen Besitzer zurück

Gemälde aus Gurlitt-Sammlung geht an rechtmäßige Erben 

Ein weiteres Bild aus dem Kunstfund Cornelius Gurlitt gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Dienstag an Nachfahren des einstigen jüdischen Besitzers zurück. Sie überreichte in Berlin das Gemälde des französischen Malers Thomas Couture mit dem Titel “Portrait de jeune femme assise” (Porträt einer sitzenden jungen Frau) an die Familie des Politikers und Nazi-Gegners Georges Mandel, wie die Bundesregierung mitteilte. Es war bereits 2017 als Eigentum Mandels identifiziert worden, anhand eines winzigen reparierten Lochs in der Leinwand.

Die Nazis hatten zwischen 1933 und 1945 zahllosen, meist jüdischen Besitzern ihre Schätze gewaltsam entzogen oder abgepresst. Schätzungen gehen von rund 600.000 geraubten Objekten aus. Viele davon befinden sich noch immer – oft unerkannt – in Museen und Privatsammlungen weltweit.

se/stu (dpa, bild, afp, kna, epd)

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