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TV-Tipp: Der Prag-Krimi: Wasserleiche

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Prag ist eine schöne Stadt und bei Touristen sehr beliebt. Da es auch dort Verbrecher gibt, geht jetzt ein neuer TV-Krimi an den Start, der in der tschechischen Hauptstadt spielt.

BKA-Kommissar Jan Koller (Roeland Wiesnekker) und die zur Streifenpolizistin degradierte Klara Majerova (Gabriela Maria Schmeide). Foto: Hannes Hubach

Nach jüngst in Amsterdam kommt jetzt ein weiteres Ermittlerteam in Prag zum Einsatz. Die erste Folge der neuen ARD-Reihe «Der Prag-Krimi» heißt «Wasserleiche». Sie ist am Donnerstag (6. Dezember) um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen, die zweite «Der kalte Tod» eine Woche danach.

Eigentlich steckt ein Künstler in ihm, ein Schauspieler – doch Jan Koller (Roeland Wiesnekker) arbeitet als Kommissar beim BKA in Berlin. Seine Chefin Renate Unterberg (Marion Mitterhammer) schickt ihn in seine Geburtsstadt Prag, wo sein früherer Kollege Frank Müller (Dirk Borchardt) tot aus der Moldau gefischt wurde. Er soll mit sensiblen Ermittlungen um Kunstfälschungen beauftragt und bestechlich gewesen sein.

Koller muss nun genau dorthin, wohin er aufgrund seiner privaten Vergangenheit nie wieder wollte. Direkt am Zug wird er von seiner tschechischen Kollegin Klára Majerova (Gabriela Maria Schmeide) empfangen, die gerade zur Streifenpolizistin degradiert wurde. Sie bilden fortan ein Team.

Koller ermittelt intuitiv und aus dem Bauch heraus und stets mit einem großen Interesse für die Kunst. Der Bruder des Ermordeten ist ein Maler. Der Pathologe sammelt gefälschte Bilder aus dem Polizeiarchiv in seinen Räumlichkeiten und entpuppt sich als Kunstexperte. Mit all dem hat Kollers Kollegin nichts am Hut, sie ist sehr direkt und aufbrausend, spielt Eishockey und hat ein großes Herz. Gabriela Maria Schmeide (53, «Die Polizistin», «Am Ende ist man tot») spielt ihre Figur mit großer Wärme und sehr glaubhaft.

Richtig spannend ist aber die Hauptfigur des Ermittlers, der ständig mit seiner Vergangenheit und mit den Dämonen kämpft, die in ihm wohnen. Er spaziert durch das nächtliche Prag, ist ein eher höflicher und zurückhaltender Mensch, was so gar nicht zu einem Kommissar passen will, und arbeitet mit fast schon therapeutischen Methoden.

So verzichtet er darauf, alle fünf Verdächtigen in Gewahrsam zu nehmen. Stattdessen stellt er die letzte Begegnung von Müller mit seinem Bruder bei dessen Hochzeitsparty wie eine Familienaufstellung nach – samt opulentem Mahl mit dekadentem Dinner und Discobesuch. Das macht er stets mit sehr leiser Stimme und mit einem betont freundlichen Lächeln im Gesicht.

Roeland Wiesnekker (50, «Sag mir nichts», «Tatort», «Der Kommissar und das Kind») spielt diesen vielschichtigen Mann sehr stimmig, ebenso wie Frau Schmeide ihre mütterliche Figur. Regisseur Nicolai Rohde hält offenbar viel von Agatha Christie, er inszeniert beide Filme dramaturgisch und optisch auf hohem Niveau und mit geschickt montierten Szenen. Es ist an manchen Stellen ein Kammerspiel um eine ganz reizende Familie – alle Figuren sind zerrissen und zerstritten, jeder kann der Täter sein.

Kameramann Hannes Hubach fängt dazu melancholische Bilder ein, die gut zu Prag passen – samt Wenzelsplatz, Karlsbrücke und einer Rundfahrt in einer historischen Straßenbahn. Das ungewöhnliche Duo löst den originellen Fall natürlich, der Kommissar möchte schnurstracks nach Berlin zurück – da taucht plötzlich sein totgeglaubter Vater auf, und Koller gerät unter Mordverdacht. Aber das wird ein Fall fürs nächste Mal.

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