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Fahrverbot in Tirol: So laufen die ersten Polizei-Kontrollen – Söder will gegen Straßensperren klagen

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Tirol will bis September mehrere Landstraßen sperren. Am Samstag hat die Polizei mit ersten Kontrollen begonnen.

Update 22. Juni 2019: Die Polizei in Tirol hat mit der Umsetzung der neuen Fahrverbote begonnen. Seit dem Morgen kontrollieren die Beamten Autos, die die Autobahn verlassen wollen. Durchgelassen werden nur Anwohner und Touristen, die ein Ziel in der Umgebung haben. 

Laut der Landesverkehrsabteilung Tirol reagierten die meisten Autofahrer mit Verständnis: „Es hat keine größeren Schwierigkeiten gegeben“, sagte ein Sprecher am Samstag. Dem Vernehmen nach gab es an den Kontrollpunkten auch Debatten mit Motorradfahrern, die sich um beliebte Kurverstrecken gebracht fühlten. Viele Reisende blieben aber gelassen. „Wir fahren in den Urlaub“, sagte eine Touristin auf dem Weg nach Italien, als die Beamten sie und ihren Begleiter auf die Autobahn zurückschickten. „Wir haben keinen Stress.“

Das Land Tirol will mit den Fahrverboten verhindern, dass Autofahrer bei Stau auf Nebenstrecken durch die immer stärker belasteten Dörfer ausweichen.

Fahrverbot in Tirol: Söder will gegen Straßensperrungen klagen: „Diskriminierend und europarechtswidrig“

Update 22. Juni, 10.09 Uhr: Die CSU droht eine Klage gegen die Transit-Politik in Österreich an. „Das Verhalten von Tirol ist diskriminierend und europarechtswidrig“, sagte CSU-Chef Markus Söder. Damit werde die Reisefreiheit in der EU massiv erschwert. „Der Bund muss jetzt reagieren und gegen so ein Verhalten in Europa Klage einreichen“, verlangte der Ministerpräsident.

In Tirol sollen ab diesem Samstag an Wochenenden Landstraßen für „Navi-Ausweicher“ gesperrt werden, die so Staus auf den Autobahnen umfahren wollen. Das Verbot gilt für die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12) sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13). Die alte Brennerstraße ist von den Verboten nicht betroffen.

Ein Testlauf begann an Fronleichnam, die Polizei schickte Autos und Motorräder zurück auf die Autobahn. Die Verbote gelten bis 14. September, eine Woche nach Ende der bayerischen Sommerferien. In München hatte auch ein Mercedes-fahrer ein Problem mit einer Straßensperre an Fronleichnam – und fuhr einen Feuerwehrmann an.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) spottete, die CSU solle „nicht den Beleidigten spielen“, nur weil sie jüngst die Maut-Klage gegen Österreich verloren habe. Bayerns Staatsregierung wirft den Nachbarn indes „Schikane“ vor. Parallel zu den Sperrungen bremst Österreich auf der Inntalautobahn die Lastwagen aus. Auf deutscher Seite sorgte die Blockabfertigung für zeitweise weit über 20 Kilometer Lkw-Stau.

Update 21. Juni, 10.12 Uhr
: Die Blockabfertigung von Lastwagen hat am Freitagmorgen zu kilometerlangen Staus auf der Inntalautobahn in Richtung Süden geführt. „Derzeit steht der Verkehr auf über 20 Kilometern Länge – Tendenz steigend “, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Der Rückstau gehe aktuell vom Grenzübergang Kiefersfelden bis zur Ausfahrt Reischenhart. Zum wiederholten Mal lässt die Tiroler Landesregierung pro Stunde nur eine bestimmte Anzahl Lastwagen die Grenze passieren. Auf deutscher Seite werden Autofahrer auf der linken Spur an den stehenden Lastwagen vorbeigelotst.

Verkehrschaos in Tirol: Auch viele Landstraßen sind am Wochenende gesperrt

In Tirol sollen zudem künftig an Wochenenden Landstraßen gesperrt werden, die von Urlaubern zur Umfahrung von Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den österreichischen Autobahnen genutzt werden können. Betroffen sind laut der Nachrichtenagentur APA die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12), sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13). Die Brennerstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen. „Zu den Auswirkungen dieser zusätzlichen Maßnahme haben wir aktuell noch keine Erfahrungen“, teilte der Polizeisprecher mit.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) will nach eigenen Angaben Dörfer auf österreichischer Seite vom Transitverkehr entlasten. Die Umfahrung von Staus oder mautpflichtigen Routen ist für Urlauber damit erschwert. Die Sperrung wurde vom bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) als „reine Schikane“ kritisiert.

Update 20.06.2019, 14.09 Uhr: Nachdem der EuGH Anfang der Woche, auf Klage Österreichs, das Aus für die Maut in Deutschland beschlossen hat, sperrt Tirol nun zahlreiche Landstraßen. Die Folge: Autofahrer können weder Staus umfahren, noch die Zahlung der Mautgebühren auf österreichischen Autobahnen vermeiden. 

Bayerns Staatsregierung reagiert mit scharfem Protest und Unverständnis auf die Pläne des Nachbarlandes: Laut Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sei das Tiroler Vorhaben nicht nur unsäglich und reine Schikane, er beschreibt es sogar als rechtswidrig. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt“, fordert der CSU-Politiker. Zwar habe man bereits Gespräche mit Tirol vereinbart, je nach deren Ausgang könne sich Bayern aber auch vorstellen, zu Gegenmaßnahmen zu greifen. So sind ähnliche Regelungen seitens des Freistaats denkbar. „Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten.“ 

Video: Rekord an Staus auf deutschen Autobahnen

Staugefahr in Österreich: Tirol greift zu drastischer Maßnahme – und sperrt zahlreiche Landstraßen

Erstmeldung vom 20.06.2019, 13.01 Uhr Innsbruck – Auf Transitreisende kommen während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit Donnerstag gilt ein Fahrverbot auf Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung der Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den österreichischen Autobahnen genutzt werden.

Daher sollen auch die Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, wie der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA bereits am Mittwoch erläuterte. Vor allem die vom Transitverkehr betroffenen Dörfer auf der Strecke zwischen Deutschland und Italien sollen so entlastet werden.

Tirol/Österreich: Betroffene Straßen an allen Wochenenden zu bestimmter Zeit gesperrt

Die drastische Maßnahme soll an allen Wochenenden von Samstag um 7.00 Uhr bis Sonntag um 19.00 Uhr gelten – und zwar bis Mitte September. Nicht betroffen sind Autofahrer, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen, versicherte Platter. Die Fahrverbote gelten für den gesamten Verkehr, ob Auto, Laster oder Motorrad.

Tirol/Österreich: Navis zeigen Umfahrungen nicht mehr an

Inzwischen seien auch Vorkehrungen getroffen worden, dass die Navigationsgeräte die Umfahrungen nicht mehr anzeigen, hieß es weiter. Dazu seien den Navi-Betreibern die aktuellen Verkehrsdaten in Zusammenhang mit dem Verbot zur Verfügung gestellt worden, zitierte APA den Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann. Da aber nicht sicher sei, dass die Navi-Anbieter die neuen Daten auch einspeisen, sollten bereits am Donnerstag an den gesperrten Ausweichrouten auch Polizeistreifen kontrollieren.

Betroffen sind laut APA die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12), sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13). Die Brennerstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen.

Dass zahlreiche Autofahrer schon in der kommenden Woche Tirol als Ausflugsziel auserkoren könnten, dürfte am guten Wetter liegen -  denn es stehen uns extreme Temperaturen bevor.

dpa

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