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Mehr Erwachsene greifen in Rheinland-Pfalz zu Ritalin

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TK-Landeschef Simon warnt davor, bei der Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen zu einseitig auf Medikamente zu setzen. Das alleine reiche oft nicht.

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MAINZ – Hausaufgaben machen. Das heißt, sich auf eine Sache konzentrieren und alles andere außen vor lassen. Für manche Kinder bringt genau dieser Aspekt ein kaum lösbares Problem mit sich: Denn sie haben eine „Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitätsstörung“ – besser bekannt als ADHS.

Das Thema Kinder mit ADHS ist bekannt. Nicht nur Medien berichten darüber, auch Filme oder Serie haben es aufgegriffen. Nun meldet die Techniker Krankenkasse (TK) Rheinland-Pfalz: Immer mehr Erwachsene erhalten Medikamente gegen ADHS.

Aus der Gruppe der Amphetamine

Gerade die Medikamentierung ist umstritten. Zum Einsatz kommt der Wirkstoff „Methylphendiat“. Das bekannteste Mittel, das auf diesem basiert, ist „Ritalin“. Der Wirkstoff stammt aus der Gruppe der Amphetamine. Seine pharmakologische Wirkung ist vergleichbar mit der von Kokain. Es steigert die Leistungsfähigkeit und unterdrückt Warnsignale – etwa Schmerz.

Die TK warnt folglich auch: „Zur Behandlung sollte keinesfalls allein Methylphendiat gegeben werden“, wie Jörn Simon sagt, Leiter der TK-Landesvertretung. Denn der Stoff bringe ein hohes Missbrauchspotenzial mit sich. Im Rahmen einer längeren Therapie sei es daher auch notwendig, längere Versuche zu unternehmen, auf die Einnahme zu verzichten. So könne geprüft werden, ob der Patient auch ohne den Stoff zurechtkommt.

ADHS wirke sich auch auf das spätere Erwachsenenleben der Jugendlichen aus. Im Jahr 2011 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Zulassung für Medikamente erteilt, die auf Methylphenidat basieren.

Bei Therapien des ADHS gehen zwei Drittel der Verordnungen noch immer an Kinder und Jugendliche, wie Simon mitteilt. Es sei aber auffällig, dass das Medikament immer häufiger auch in späteren Jahren eingesetzt werde. Laut einer aktuellen Umfrage der TK für Rheinland-Pfalz ist der Anteil männlicher Erwachsener, die gegen ADHS Methylpendiat erhalten, größer als der weiblicher Betroffener: 31 zu 19 Prozent.

„Die Behandlung von ADHS ist langwierig und komplex“, mahnt Simon. Daher solle sie nur von Experten durchgeführt werden, die Erfahrung mit diesem Krankheitsbild gesammelt haben. Vor allem die Einnahme von Methylphendiat müsse entsprechend sorgfältig begleitet werden. Simon sagt: „Allerdings ist die medikamentöse Behandlung allein nicht ausreichend.“ Um eine nachhaltig erfolgreiche Therapie zu gestalten, müssten die Patienten in die Lage versetzt werden, aufnahmefähig für ergänzende Behandlungen zu werden. Das könnten zum Beispiel eine Psycho- oder eine Ergotherapie sein.

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