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Madagaskar – die Sensation beim Afrika Cup

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Debütant Madagaskar ist die große Überraschung beim Afrika Cup in Ägypten. Das Team von der viertgrößten Insel der Welt zog mit Offensivfußball ins Achtelfinale ein. Dort wartet ein machbarer Gegner.

Gernot Rohr ist bekannt für seine feinen Umgangsformen. Doch als der Trainer Nigerias am Sonntagabend nach der überraschenden Niederlage seines Teams gegen Turnierdebütant Madagaskar zu Lobeshymnen über den Gegner anhob, war das selbst für seine Verhältnisse enorm: “Es ist keine Schande, gegen dieses Team zu verlieren. Sie sind stark, haben einen tollen Trainer und können beim Turnier noch weit kommen”, meinte der Deutsch-Franzose.

Vom Problemfall zur Turnier-Sensation

2:0 hatte Madagaskar Nigeria geschlagen, mit zwei Siegen und einem Unentschieden Platz eins in der Gruppe B ergattert und für die bisherige Turniersensation gesorgt. Um die Dinge einmal einzuordnen: Madagaskars Nationalmannschaft existiert seit 1947, hatte sich aber in seiner Fußball-Geschichte noch niemals zuvor für eine Endrunde qualifizieren können. Es ist noch gar nicht lange her, da meldete das Land noch nicht einmal für Qualifikationsspiele. 1998 zum Beispiel hatte der Afrikanische Fußballverband CAF Madagaskar gesperrt, weil das Land während der Afrika-Cup-Qualifikation 1996 sein Team einfach zurückgezogen hatte.

Historisches nach Jubiläums-Katastrophe

“Wir sind so stolz. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Es ist ein Geschenk für die Leute in unserem Land, die uns alle zuschauen. Und vielleicht ein kleiner Trost für die Katastrophe von vergangenem Mittwoch”, meinte nach dem historischen Sieg gegen Nigeria Mittelfeldspieler Marco Ilaimaharitra. Worauf der 23-Jährige vom belgischen Klub RC Charleroi hinwies: Vor Madagaskars Sieg gegen Burundi am vergangenen Donnerstag hatte es am Tag der Unabhängigkeitsfeiern in der Hauptstadt Antananarivo eine Tragödie gegeben. 16 Menschen waren bei einer Massenpanik ums Leben gekommen, Dutzende schwer verletzt worden.

Jubelnde Fußballfans auf den Straßen der Hauptstadt Antananarivo

Keine Profiliga im Land

Seit 1960 ist die ehemalige französische Kolonie Madagaskar unabhängig, doch die Verbindungen zur ehemaligen Kolonialmacht sind nach wie vor eng. Vor allem im Fußball. “Wer bei uns im Fußball etwas werden möchte, geht nach Frankreich”, sagt Faneva Andriatsima, der in Clermont-Ferrand in der französischen zweiten Liga sein Geld verdient. In Madagaskar selbst gibt es keine Profiliga, kaum Strukturen. Die riesige Insel ist eher für seltene Tierarten als für Fußball bekannt. Die Dinge haben sich zwar schon etwas verbessert, seit der ehemalige Verbandspräsident Madagaskars, Ahmad Ahmad, im Frühjahr 2017 CAF-Präsident wurde, doch der Nachholbedarf ist nach wie vor immens.

Vor allem finanziell sind die Fußballer ebenso wenig auf Rosen gebettet wie das nach wie vor als bitterarm geltende ganze Land. So verkaufte Andriatsima in den Wochen vor der Turniervorbereitung eigenmächtig 600 Teamtrikots, um mit den Einnahmen Trainingsmaterialien besorgen zu können.

Trainer hat zwei Jobs

Wasserdusche für Tainer Nicolas Dupuis (2.v.r.)

In Ägypten nun können die Mannen um Nationaltrainer Nicolas Dupuis aber Sensationelles erreichen. Der 51 Jahre alte Franzose, der den Posten des Nationaltrainers im März 2017 übernahm, fungiert sozusagen in Doppelfunktion: Neben seinem Engagement auf der viertgrößten Insel der Welt arbeitet er parallel noch als Trainer des französischen Viertligisten FC Fleury, weil das Gehalt auf Madagaskar nicht ausreichen würde. “Beide Teams sind mir eine Herzenssache. Man muss sich gut organisieren, um beides machen zu können. Allerdings inspiriert mich die Arbeit an beiden Standorten auch”, sagt der ehemalige Libero, der als Spieler und Trainer nie über unterklassige französische Teams herauskam.

Nun aber steht er mit seinem Nationalteam im Achtelfinale des größten afrikanischen Sportevents, wird in der ersten K.o.-Runde auf einen Gruppendritten treffen. “Wir können ganz befreit aufspielen. Die Jungs wachsen immer mehr zusammen. Wir sind wie eine große Familie”, sagt Dupuis. Wie eine überraschend erfolgreiche Familie.

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